Was Sie brauchen: andere Garne

Baumwoll- und andere Garne

Traditionell wird mit Leinengarn geklöppelt, aber das deckt in Stärke, Struktur und Effekt nicht alle Gestaltungs- und Experimentierwünsche ab. Heute gibt es von Edelstahldraht über Baumwollgarn, Perlon- und Bindfaden bis Klingeldraht kaum etwas, womit Klöpplerinnen noch nicht experimentiert haben.

Baumwollgarn

Die Nummerierung des Baumwollgarns ist nicht mit der des Leinenzwirns gleichzusetzen. Es ersetzt häufig den extrem feinen Leinenzwirn, der heute nicht mehr hergestellt werden kann. „Egyptish catoen“ wird für feine Spitzen wie Valenciennes, Binche oder Rosaline perlé verwendet. Das beginnt etwa bei der Stärke 24/3 (ähnlich wie NeL 80/3) und geht bis 170/2 und ist damit weit feiner als das heutige dünnste Leinengarn. Baumwollgarn bietet auch eine große Bandbreite an Farben.

Seidengarn

Geklöppelt wird sowohl mit feinem glattem Seidengarn (z.B. Pipers silk), als auch mit Schappeseide oder wolliger Tussahseide, die man beide auch verstricken kann. Mit diesen Seiden klöppelt man v.a. Schals, Tücher und Kleidungsstücke.
Seidenspitze sollte man unbedingt vor dem Abnadeln anfeuchten und trocknen (evtl. föhnen). Die Form hält besser. Voraussetzung ist, dass die Nadeln nicht rosten und der Klöppelbrief nicht abfärbt (in jedem Fall Klöppelfolie verwenden).

metallisches / synthetisches Garn

Zu Weihnachten, bei Trachten- oder kirchlicher Spitze oder für einen besonderen Ausdruck einer Spitze möchte man Gold- und Silberglanz einarbeiten. Traditionell am häufigsten werden Sterne oder Anhänger für Weihnachtsbäume oder als Fensterschmuck in Gold- oder Silbergarn gearbeitet.
Garnhersteller produzieren solche Garne für Stickereien oder für das Nähen; auf sie greift auch eine Klöpplerin zurück. Daneben gibt es eine große Bandbreite von Garnen, die lediglich einen "Glitzeranteil" haben und einzelne Produzenten, die diese Garne auch speziell für das Klöppeln anbieten.

Es handelt sich dabei meist um ein synthetisches Garn. mit einem kleinen Anteil Metall. Dieses kann es beim Klöppeln widerspenstig machen, sorgt aber später auch für einen guten Stand der Spitze, so dass Stärken unnötig ist. Beim Aufwickeln auf den Klöppel hilft es, den Anfang mit Klebefilm zu befestigen.

Die Garnstärkenbezeichnung hat nichts mit den Bezeichnungen für Leinen- oder Baumwollgarn zu tun. Die Auswahl ist aber nicht sehr groß und man sollte sich zum einen an den Vorgaben des Klöppelbriefes orientieren und zum anderen an den Angaben der Lieferanten. Dünnes Garn kann man immer auch doppelt nehmen.

Gespinst / Plätt / Metallspitze

Es gibt auch ein Echtmetall-Garn, das in der Regel für bestimmte Trachten- und Kirchenspitze (Hohlspitze) verwendet wird.
Beim Gespinst ist ein hauchfeiner flacher Draht um einen synthetischen Faden (die „Seele“) gewickelt worden. Gespinste müssen vorsichtig behandelt werden, weil der Metallteil sonst bricht und buchstäblich die Seele zum Vorschein kommt – der Glanz ist weg. Spezielle Klöppel für dieses Garn haben einen breiten Kopf, es sind "Zeugklöppel".
Auch der Plätt ist ein flach gewalzter Draht. Er übernimmt bestimmte Funktionen in der Gestaltung und er braucht einen speziellen Klöppel – den "Plättklöppel" –, der als Kopf einen Haken hat, weil man mit ihm keine Schlaufe machen kann.

Draht

Draht hat beim Klöppeln verschiedene Funktionen.
Er wird häufig in den Rand von Dekospitzen eingearbeitet (z.B. Oster-, Frühlings- oder Weihnachtsanhänger für Fenster oder Zweige). Da die Teile sich mehr bewegen, reicht ein Stärken für die Stabilität oft nicht aus. Hier verwendet man in der Regel Draht mit 0,2 oder 0,3mm Stärke, den es auch in vielen Farben gibt (z.B. in meinem Shop "draht4art").

Mit 0,2mm oder noch dünnerem (0,15mm) Edelstahldraht oder versilbertem Draht arbeitet man heute Schmuckstücke: Anhänger, Broschen, Ohrhänger u.a. Die Herausforderung hierbei ist die Sperrigkeit des Materials: Man muss Draht zum Wickeln schon am Klöppel befestigen; man kann nicht am Ende einer Reihe einfach zurecht ziehen, sondern muss da bei jedem Schlag machen; ein Dreher muss mit beiden Händen gemacht werden, weil er sonst viel zu lang wird. Und man lernt, dass man feinen Edelstahldraht auch reißen kann.