
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlich geformter Klöppelkissen. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Rolle und Flachkissen. Beide haben jeweils besondere Vorzüge gegenüber dem anderen Modell; sie sind teilweise für die eine oder andere Art von Spitzen besser geeignet. Aber: zu einem großen Teil überschneiden sich die Anwendungsbereiche und es gibt Spezialformen und Hilfsmittel, die einzelne Nachteile aufheben. Im Folgenden werden einige Kissen und ihre Besonderheiten erklärt und es gibt einen Blick auf die Ständer für Klöppelkissen, denn Haltung ist beim Klöppeln wichtig.
Wenn man noch nicht weiß, ob man beim Klöppeln bleibt, ist eine Styrodurplatte aus dem Baumarkt, die man mit einfarbigem Stoff bezieht, als Flachkissen die günstigste Wahl.
Im Übrigen ist die Entscheidung für einen Kissentyp keine "fürs Leben". Sehr viele Klöpplerinnen arbeiten sich gründlich auf dem einen Kissentyp ein und lernen dann auch auf dem anderen. Sie wechseln je nach Anforderung der Spitze oder je nach Laune mal auf das eine und mal auf das andere Kissen.
Grundsätzlich: wenn Sie in einem Kurs Klöppeln lernen, sollten Sie sich unbedingt an die Vorgabe der Kursleiter:in (ja, es gibt auch Kursleiter) orientieren.
Flachkissen
Vorteile des Flachkissens:
- Die Klöppel liegen auf dem Kissen und verdrehen sich nicht so leicht.
- Es ist besonders gut geeignet für Spitzen, die viele Klöppel erfordern
- und für sehr dünnes Garn; auch hier gibt es nochmal spezielle dünnere und leichtere Klöppel.
- Geschlossene Teile, wie Deckchen oder Motive, die in verschiedene Richtungen gearbeitet werden, lassen sich leichter arbeiten, weil man das Kissen nur in einer Ebene drehen muss und von allen Seiten arbeiten kann.
- Wenn man mit sehr vielen Paaren arbeitet, schichtet man sie mit Hilfe von Tüchern in mehreren Etagen auf.


Probleme:
- Man neigt dazu, Klöppel in die eine Richtung zu heben und in die andere zu rollen. Dadurch wird das Garn entweder auf- oder zugezwirnt. Es gibt spezielle Klöppel mit abgeflachtem Griff, die das Rollen verhindern.
- Ein Flachkissen ist zumeist eine Platte, entweder in der
flandrischen Version: runde Holzplatte mit gewölbtem Oberteil
und gefüllt mit Seegras, oder in der modernen preiswerten
Version: eine Styrodurplatte mit Filzauflage und mit Stoff
bezogen, bzw. gleich ganz aus Filz. Die Maße sind also begrenzt
und Spitzenbänder würden häufiges Umstecken erfordern.
Für längere Spitzen gibt es Schiebekissen wie das "Schweizer Schiebekissen" rechts. Man arbeitet auf quadratischen oder rechteckigen Einsätzen, sie sind verschiebbar und können für Ecken heraus genommen und gedreht werden. Das "Back", oben rechts, besteht aus quadratischen und rechteckigen Kissen, die in einem größeren Rahmen verschoben und ausgetauscht werden können. Eine Verbindung zwischen Rolle und Flachkissen finden Sie unten, beim Dänischen Klöppelkissen. - Ein weiterer Unterschied ist die Haptik: Flachkissenklöppel werden quasi mit den Fingerspitzen, also mit weniger Kraft bewegt, während Hülsenklöppel in der Hand liegen.

Rolle
Vorteile der Rolle:
- lange Spitzen können geradezu endlos um die Rolle herum geklöppelt werden.
- Stärkeres Garn lässt sich gut verarbeiten, weil die hängenden Klöppel schon etwas Zug bieten.
- Fast nur auf der Rolle lässt sich Hohlspitze mit Echtmetallgarn arbeiten
- und auch Draht, der mehr Zug braucht als Garn, ist eher an der Rolle zu klöppeln.
- Auch geschlossene Teile sind möglich, wie z.B. Deckchen, Spitzen mit eingearbeiteten Ecken für Tücher, Kragen, Applikationen, Motive, Fächerblätter u.a. Hierbei ist ein Klöppelständer mit drehbarem Oberteil von Vorteil, weil man nicht nur in eine Richtung arbeitet.
- Für größere Arbeiten gibt es Klöppelkissen mit bis zu 60 cm Breite.

Probleme
- Wegen des Gewichts der Klöppel sollte das Garn nicht zu dünn sein, es könnte reißen; allerdings gibt es auch spezielle leichte Klöppel.
- Es ist nicht ganz einfach, viele Paare auf dem Kissen so unterzubringen, dass sie nicht ständig sortiert werden müssen; die meisten Rollenklöpplerinnen bevorzugen Muster mit weniger Paaren oder der Möglichkeit, das Muster partieweise zu arbeiten. Es gibt aber auch Tricks, mit denen man sich das Arbeiten mit vielen Klöppeln erleichtern kann.
- Wenn Spitzen um eine Ecke geklöppelt werden (abgepasste Ecke, z. B. für Tischdecken), reicht oft die Breite des Kissens nicht aus, es muss dann "umgesteckt" werden. Auch dafür gibt es Hilfsmittel, um die Spitze mitsamt Brief, Nadeln und Klöppeln vom Kissen herunter zu heben und um 90° zu drehen.
Beispiele für weitere Kissen
Ein Flachkissen mit eingebauter Rolle ist in Dänemark und Schweden, häufig auch in Frankreich und England, gebräuchlich. Die Klöppel liegen, die Spitze kann endlos auf der Rolle gearbeitet werden.

Das spanische Klöppelkissen wird mit dem oberen Teil auf eine Stuhlkante aufgelegt, der untere liegt auf dem Schoß und die Spitze wird senkrecht herunter geklöppelt. Hier ist häufigeres Umstecken erforderlich.

Kissenständer
Klöppeln kann eine meditative und auch sehr intensive Beschäftigung sein. Darum sollte man dabei eine gute Haltung haben, die für Nacken und Schultern angenehm ist. Sinnvoll ist ein höhenverstellbarer Kissenständer und für Rollenklöpplerinnen auch ein drehbares Oberteil. Flachkissen werden in der Regel ohnehin nur aufgelegt und können immer gedreht werden.



kippbarem Rollenaufsatz, nicht
höhenverstellbar
