
Es gibt eine unüberschaubare Menge unterschiedlicher Klöppel — teilweise für bestimmte Funktionen oder Kissen (z.B. Hülsenklöppel, mit denen man an der Rolle, nicht aber auf dem Flachkissen arbeitet) — teilweise regionaltypisch gestaltet oder mit Formen, die von Drechslern individuell gestaltet werden. Klöppel, v.a. auch antike, sind ein eigenes Sammelgebiet.
Flachkissenklöppel
Klöppel für das Flachkissen sind in der Regel einteilig. Das Garnfach ist im oberen Bereich und die Klöppel werden im unteren Teil mit den Fingerspitzen bewegt. Es gibt eine Fülle von Formen für den Gebrauch und noch weit mehr als Zier- oder Sammelklöppel. Am weitesten verbreitet sind bei uns die Schweizer, die dänische und flandrische Form.
Flandrische (4, 5, 6) und dänische Klöppel (3) haben ein einfaches Köpfchen. Gewickelt wird unterhalb des Köpfchens und die Schlaufe wird entweder unterhalb des Garns gemacht oder auf dem Garn.
Schweizerische (1, 2), wie auch viele englische und
französische Klöppel weisen ein "Doppelköpfchen" auf, also eine
Rille im Kopf. Hier wird der Faden zweimal statt einmal um das
Köpfchen gelegt. Näheres dazu unter "Klöppel bewickeln".
Der Vorteil ist, dass die Schlaufe sich nicht in das Garn
ziehen kann, wo sie vielleicht schwer zu lösen ist.
Sehr verbreitet sind Klöppel mit Vierkant-Griff (2). Das
verhindert, dass sie selbständig durch die Gegend rollen, wenn
man das Kissen bewegt oder vielleicht etwas schräg
stellt.

2 Schweiz, Vierkantgriff
3 Dänemark
4 Niederlande
5 Flandern
6 Flandern, Binche
Hülsenklöppel
Es gibt Hülsenklöppel in unterschiedlichen Größen und Formen und Gewicht: für große und kleine Hände, für starkes und feines Garn, für bestimmte Garnarten. Hülsenklöppel hängen am Kissen und werden in der Hand bewegt. Darum wird das Garn von der Hülse geschützt.

2 und 3 alte Klöppel mit Perlenmarkierung, die wohl von der Klöpplerin angebracht wurde, um sie als ihre zu markieren
oder zu verschönern.
4 - 6 Klöppel in unterschiedlicher Größe und Gewicht. Schwerere Klöppel können bei dickem Garn die Arbeit erleichtern.
7 und 8 sind aus edlen Hölzern gedrechselt.
9 ist ein sehr großer und spezieller Klöppel. Durch die dicke Hülse kann er viel oder auch dickes Garn aufnehmen;
unterhalb des Köpfchens ist er mit Schellack verstärkt. Er wurde für Echtmetall-Gespinste verwendet,
das mit seinem Metallanteil die Stelle unter dem Köpfchen beschädigen konnte.
Weitere Klöppel
In einigen Regionen klöppelt man mit einteiligen Klöppeln an der Rolle. Die Klöppel ähneln Flachkissenklöppeln.

3 Slowenien (Idria)
4 Deutschland, moderne Entwicklung eines Drechslers, die Rille in der Mitte hilft beim Wickeln mit einer speziellen Spulmaschine
5 Finnland (Karelien). Klöppel für das spanische Kissen sehen sehr ähnlich aus
6 Italien (Cantù)
7 Deutschland (Schwäbische Alb). Manchmal gab es auch hier für das Garnfach eine Hülse
8 Slowakei, alter und viel benutzter Klöppel. Der helle, weichere Holzanteil hat sich abgenutzt. Nebenbei: die schönsten und glattesten Klöppel sind durch häufigen Gebrauch quasi in der Hand poliert worden.

10 und 11 verwendet man für Echtmetall-Spitze: mit dem "Platt",
dem flach gewalzten Draht, kann man keine Schlaufe machen, er wird
vom Haken gehalten. Das runde "Gespinst" braucht, weil es sperrig ist,
einen größeren Kopf.
Sammelklöppel
Klöppeln war ursprünglich nicht Hobby, sondern Erwerbszweig.
Von daher wurde das Handwerkszeug den Bedürfnissen der
Klöpplerin nach schnellem und sorgfältigem Arbeiten
angepasst.
Vielleicht wurden Spitzen mit vielen Häkelstellen gearbeitet,
dann konnte der Klöppel unten angespitzt sein und so die Arbeit
erleichtern. Oder es wurde mit starkem Garn geklöppelt und man
brauchte schwerere und größere Klöppel. Für ganz dünnes Garn
und Spitzen mit vielen Klöppeln brauchte man leichte Klöppel,
damit das Garn nicht belastet wurde und schmale, um mehr auf
dem Kissen unterbringen zu können.
Daneben wurden Klöppel von Klöpplerinnen verziert, um sie für
sich zu identifizieren oder attraktiver zu machen, wie z.B. bei
den Hülsenklöppeln im Foto oben.
Immer auch gab es Drechsler, die das Gestalten von Klöppeln zur
Kunstform erhoben oder Klöppel mit einer bestimmten Bedeutung
arbeiteten, z.B. Hochzeitsklöppel mit einem eingearbeiteten
losen Ring (auf dem Foto z.B. der dritte von rechts aus
Frankreich).
Auf dem Foto sind auch zwei "Umstecknadeln" (zum Aufteilen der Klöppel auf dem Kissen) mit schönen Glasköpfen.

